Gerade komme ich von einer indischen Einwandererfamilie: junges Ehepaar, 2 Kinder, ALGII-Empfänger. Eine sehr liebenswürdige und rührige Familie. Vor 9 Monaten haben sie sich mit einem Pizza-Lieferservice hier im Stadtteil selbstständig gemacht. Weil sie selbstständig sein wollen – unabhängig von der staatlichen Förderung des ALGII.
So gut wie alles machten die beiden falsch: schlecht gemachte, billige Werbung, unbarmherziges Mitspielen im Preiskampf, schlechte Preiskalkulation, unregelmäßige Werbung etc.
Seit 4 Monaten berate ich das Paar, der Umsatz steigt beständig, in ganz kleinen Schritten wird das Marketing verbessert. Ergebnis: 100 Stammkunden bisher aufgebaut.
Etwa alle 2 Wochen sitze ich bei den beiden für ein bis zwei Stunden und berate sie. Mein Honorar: eine Dose 7UP.
Darf man das als Berater? Sich so weit unter Preis verkaufen?
Gegenfrage: Sollte ich diesen Menschen nicht helfen, auf eigene Füsse zu kommen, sich unabhängig zu machen von staatlicher Unterstützung? Sollte ich sie abweisen mit dem Satz “Tut mir leid, Sie können meinen Stundensatz nicht bezahlen…”?
Die beiden setzen alles daran, auf eigene Füsse zu kommen, dem ALGII-Bezug zu entgehen – das finde ich so unterstützenswert, dass ich in einem solchen Fall – ausnahmsweise – mit einem Honorar von einer Dose 7UP zufrieden bin. Und mit der Beobachtung, dass die beiden jedes Monat einen Schritt weiter in Richtung Eigenständigkeit unterwegs sind. Das ist auch eine Form der Honorierung.
Naja, und ein paar Karma-Punkte sammle ich so auch nebenbei, wer weiß, wozu es gut ist


